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Warum 🇨🇭-ness für Dein Unternehmen so unglaublich wichtig ist

Am 5. Oktober war unser Zugang zu einem systemkritischen Werkzeug von einer Minute auf die andere gesperrt – ohne Begründung, ohne erreichbaren Ansprechpartner, mit zehn Tagen angekündigter Bearbeitungszeit. Was wir daraus über Abhängigkeit, Swissness und einen Plan B gelernt haben.

Eine graue Wolke mit Schloss, Warnzeichen und gezogenem Stecker; daneben auf einem blauen Sockel mit Schweizerkreuz zwei Server und ein Kopfhörersymbol, verbunden mit Kacheln für Mail, Dateien und Kalender

Was passiert, wenn Dein Unternehmen von einer Minute auf die andere den Zugriff auf seine wichtigsten Werkzeuge verliert? Nicht wegen eines Cyberangriffs. Nicht wegen einer unbezahlten Rechnung. Sondern wegen einer Kontosperrung, deren Grund Du nicht einmal erfährst!

Am 5. Oktober um 13:45 Uhr mussten wir uns diese Frage plötzlich selbst beantworten.

Mit einer neuen Kreditkarte und einer anderen E-Mail-Adresse zum Supergau

Wir nutzen Claude Code von Anthropic für die Softwareentwicklung. Das KI-Werkzeug unterstützt uns dabei, komplexe Anwendungen zu erstellen und knifflige Programmieraufgaben speditiv zu lösen. Für ein Softwareunternehmen wie uns ist dieses Werkzeug absolut systemkritisch.

Für die Arbeit an unserem neuesten FreeScout-Modul McpConnect (coming soon) wollte ich unser Abonnement erweitern. Also durch den Bestellprozess klicken, die neue Firmenkreditkarte und eine neue E-Mail-Adresse für die Buchhaltung eintragen, absenden.

Dann erschien diese Meldung:

«Wir haben dein Konto aufgrund ungewöhnlicher Aktivitäten gesperrt.»

Warum genau? Dazu könne man keine Details mitteilen, weil diese böswilligen Akteuren helfen könnten, die Prüfungen zu umgehen. Über eine Überprüfung sollten wir weiteren Kontext bereitstellen. Die Bearbeitungszeit: etwa zehn Tage.

Die Meldung versicherte ausserdem, dass nur mein persönliches Konto betroffen sei, nicht der Workspace oder andere Teammitglieder. In unserem Fall sah die Realität anders aus: Niemand im Team konnte mehr auf unseren Firmenzugang zugreifen.

Ob die geänderten Zahlungs- oder Kontaktdaten die Sperre ausgelöst hatten, wissen wir bis heute nicht. Fest stand nur: Ein enorm wichtiges Werkzeug war plötzlich weg.

Die Auskunft, die wir bekamen: keine Details zum Grund, Bearbeitungszeit etwa zehn Tage.
Die Auskunft, die wir bekamen: keine Details zum Grund, Bearbeitungszeit etwa zehn Tage.

Zehn Tage (ab)warten ist kein Notfallplan

Für eine schnelle Klärung fanden wir keinen erreichbaren Ansprechpartner. Keine Telefonnummer, keine E-Mail, kein Ticketsystem, nicht einmal ein Chatbot auf der Webseite, bei dem jemand unseren Fall hätte aufnehmen und uns eine verlässliche Auskunft hätte geben können.

Wir mussten unsere Arbeit kurzfristig umorganisieren und zusätzliche Zugänge beschaffen. Die Kosten für zusätzliche Lizenzen, Unterbrüche und verlorene Arbeitszeit schätzen wir auf CHF 1'500 bis 2'000.

Am Donnerstag, dem 8. Oktober, kam die erhoffte E-Mail: Der Zugang war wieder freigeschaltet. Zum Glück mussten wir nicht die angekündigten zehn Tage abwarten.

Trotzdem bleibt die Frage: Was wäre passiert, wenn nicht ein einzelnes Entwicklungswerkzeug betroffen gewesen wäre, sondern gleichzeitig mehrere Dienste wie E-Mail, Datenablage, Kalender und Telefonie?

Bequemlichkeit kann zum Klumpenrisiko werden

Alles bei einem Anbieter zu beziehen, ist praktisch. Eine Anmeldung, eine Rechnung, gut aufeinander abgestimmte Programme.

Diese Bequemlichkeit hat allerdings eine Kehrseite: Hängen alle wichtigen Dienste am selben Firmenkonto, kann eine Sperrung gleich mehrere Arbeitsbereiche lahmlegen.

Bei uns war Claude Code eines von mehreren Werkzeugen. Der Unterbruch war ärgerlich und mit zusätzlichen Kosten und verlorener Arbeitszeit verbunden, aber nicht unser gesamter Betrieb stand still.

Daraus ziehen wir keine pauschale Absage an grosse Technologieunternehmen. Wir werden die leistungsfähigen Werkzeuge weiterhin nutzen (müssen). Aber wir wollen bewusst entscheiden, wie abhängig wir von ihnen werden – und welche Alternative bereitsteht, wenn ein Zugang ausfällt. Und wir haben bereits Massnahmen implementiert (Thema Second Brain), um im Fall der Fälle schnell auf ein anderes KI-Werkzeug wechseln zu können.

Mehrere Anbieter bedeuten möglicherweise mehr Administration, Accounts und höhere laufende Kosten. Das sollte man jedoch gegen die Kosten eines Stillstands abwägen.

Swissness bedeutet für uns auch: greifbare Verantwortung

Ein Schweizer Standort verhindert weder technische Störungen noch Kontosperrungen. Und eine Schweizer Flagge auf der Webseite ist noch kein Serviceversprechen.

Entscheidend ist, was dahintersteht: Wer betreibt den Dienst? Wer hilft im Notfall? Gibt es einen erreichbaren Support, vereinbarte Reaktionszeiten und einen klaren Eskalationsweg?

Ein Anbieter, bei dem Du jemanden erreichst, der Deinen Fall aufnimmt und den nächsten Schritt einleitet, macht im Ernstfall einen grossen Unterschied. Ob die Unterstützung auch ausserhalb der Geschäftszeiten verfügbar ist, sofern das für Dein Unternehmen relevant ist, solltest Du vor Vertragsabschluss klären.

Für uns bedeutet Swissness deshalb nicht einfach «Server in der Schweiz». Es bedeutet Nähe, nachvollziehbare Zuständigkeiten und funktionierende Kommunikationswege, auf die Du Dich auch bei Problemen verlassen kannst.

Schweizer Rechenzentrum ist nicht gleich Schweizer Datenhoheit

Den Speicherort Deiner Unternehmensdaten zu kennen, ist wichtig – er löst aber nicht alle organisatorischen und rechtlichen Fragen.

Ebenso relevant sind die Rechtsordnung des Anbieters, eingesetzte Unterauftragnehmer und mögliche Zugriffe aus dem Ausland. Bei US-Anbietern können unter bestimmten Voraussetzungen auch Daten ausserhalb der USA von behördlichen Herausgabeverlangen betroffen sein. Ein Schweizer Serverstandort allein schliesst solche Risiken nicht aus. Der EDÖB erläutert diese Problematik am Beispiel von Microsoft 365.

Umgekehrt entbindet Dich auch ein Schweizer Anbieter nicht von Deiner Verantwortung für Personendaten. Bei der Auswahl zählen konkrete Verträge, technische Schutzmassnahmen und die tatsächlichen Datenflüsse – nicht nur das Herkunftsland. Darauf weist auch der EDÖB zur Auftragsdatenbearbeitung hin.

Muss deshalb alles raus aus der US-Cloud?

Nicht zwingend. Aber es lohnt sich, Alternativen zu prüfen.

Mit kSuite bietet beispielsweise der Schweizer Anbieter Infomaniak Werkzeuge für E-Mail, Kalender, gemeinsame Dateiablage, Chat und Videokonferenzen an. Die Plattform wird laut Anbieter in der Schweiz entwickelt und gehostet. Mehr zu kSuite

Auch bei der Telefonie gibt es Alternativen: Unser Partner xinfra gmbh bietet gemeinsam mit peoplefone eine 3CX-Telefonlösung an, die sich auf Wunsch mit Microsoft Teams verbinden lässt. So kombinierst Du eine eigenständige Telefonanlage mit der vertrauten Zusammenarbeit in Teams – ohne gleich Deine gesamte Arbeitsumgebung umstellen zu müssen. Mehr zu 3CX

Ob diese Lösung zu Deinem Unternehmen passt, hängt von Deinen Abläufen, Schnittstellen und benötigten Funktionen ab. Eine Videokonferenzlösung ersetzt beispielsweise nicht automatisch eine komplette Teams-Telefonanlage.

Es geht nicht darum, über Nacht alles auszutauschen. Es geht darum, kritische Abhängigkeiten zu erkennen, für Dich und Dein Unternehmen zu prüfen und einen funktionierenden Plan B vorzubereiten.

Wie lange könnte Dein Unternehmen ohne seine Cloud arbeiten?

Einen halben Tag? Drei Tage? Zehn?

Unser Erlebnis hat uns gezeigt, wie schnell aus einer alltäglichen Kontoänderung ein betrieblicher Unterbruch werden kann. Wir konnten zeitnah weiterarbeiten, aber dieses Glück möchten wir nicht mit einem Notfallkonzept verwechseln.

Möchtest Du Deine Daten wieder stärker unter eigener Kontrolle haben oder Dein Unternehmen breiter aufstellen? Wir schauen gemeinsam mit Dir an, welche Systeme kritisch sind, wo Schweizer Alternativen sinnvoll sind und wie ein schrittweiser Wechsel aussehen kann.

Buche ein unverbindliches Erstgespräch oder schreib uns an kontakt@letsautomate.ch.

André Zumsteg
André ZumstegGründer von let’s automate · Dein persönlicher App-Pilot

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